Weblog bei Nacht - Free Template by www.temblo.com
 
 
 
Menue

Startseite
Über...
Gästebuch
Kontakt
Archiv
Abonnieren
RSS

Kategorie



Themen



Links



 
Bekanntschaft mit Station 5.4 B

Das Krankenhaus liegt auf einem Berg, mitten in der City. Hier bin ich geboren. 22 Jahre später marschiere ich wieder hier rein. Und suche die Psychiatrische Abteilung. Davon gibt es direkt vier Stück. Mit etwas Suchen finde ich die für mich richtige Station. Während ich mich noch suchend umschaue, kommt eine ältere Dame auf mich zu und meint: "Sie sind bestimmt die, die zum Vorgespräch kommt- Sie schauen so suchend!" ja, ich bin die.....
Ich soll kurz warten und schaue mich währenddessen ein wenig um. Alles scheint straff durchorganisiert. Immer zu zweit hat man Essensdienst, Küchendienst und so Späße. Jeden Tag wird etwas kontrolliert, ausgemistet oder aufgeräumt. Ich verdrehe innerlich die Augen. Die Wände sind vollgepappt mit Bildern und mut machenden Sprüchen.
Die Station an sich ist klein. Ca. zehn Zimmer, ein Gemeinschaftsraum und eine Essnische. Alles eher altmodisch eingerichtet, es riecht ein wenig muffig und eben nach Krankenhaus. Ich komme mir vor wie in einer anderen Welt und fühle mich unbehaglich, habe das Gefühl das ich eingeschlossen bin und will unbedingt raus. Zu spät. Die Dame von eben (Frau A) kommt wieder, mit einem Mädel was nicht viel älter ist als ich, dafür aber ca. 200kg schwerer und die Praktikantin darstellt.
Wir gehen zum Gruppentherapieraum der leer ist. Frau A rückt einen Tisch und drei Stühle zurecht und dann sitzen wir da. Die beiden vor mir mit einem Klemmbrett und Stiften bewaffnet, bereit dass ihnen keine Körperregung, kein geheimes Zeichen meinerseits entgeht. Ich fühle mich noch unwohler wie eben auf dem Flur. Frau A wirft einen Blick auf meine Einweisung und meint, dass Suizidgedanken ja schon dringend seien, ob ich nicht mal an eine Noteinweisung gedacht hätte. Ich erwiderte nur, wenn sie mir erklären würde, was eine Noteinweisung sei, dann könne ich ihr die Frage beantworten. Sie meint: "Das ist ähnlich wie hier- aber da ist dann alles abgeschlossen!" dabei lächelt sie zuckersüß, während ich mich versteife. Geschlossene ohne mich. Ich lächel ebenso zuckersüß und betone, dass ich nicht vorhätte, mich in den nächsten zwei Stunden aus dem Fenster zu stürzen. Sie nickt und beide schreiben eifrig. Ich frage mich, ob ich mit dieser Antwort wohl gepunktet oder eher verschissen habe und komme mir gleichzeitig vor wie bei einem Bewerbungsgespräch. Ätzend. Frau A möchte allerlei wissen. Wie lange ich schneide, wann ich schneide, wie tief die Wunden sind. Ich zeige ihr meine Arme, wo noch die restlichen Wunden der vergangenen Tage mühsam am abheilen sind. Beide- Frau A und das Mondgesicht - starren interessiert auf meine Arme. Man kommt sich leicht dumm vor bei so etwas. Irgendwann reicht es mir und ich ziehe die Ärmel wieder hinunter. Sie erwähnt, dass es mit dem Schneiden auf der Station schon schwierig sei, da die Station ja offen sei und ich somit in gewisser Weise die Möglichkeit hätte zu schneiden. Und es könnte ja auch sein, dass man mal genäht werden müsste. Ja und? Wo liegt das Problem? Wir sind mitten in einem Krankenhaus, da wird sich doch jemand finden, der einen Schnitt nähen kann zur Not? Dann fragt sie mich eindringlich: "Mussten Sie schonmal genäht werden?" ich verneine und füge im Stillen hinzu: Ich war ja auch noch nie beim Arzt mit frischen Wunden. Ich bin sehr auf der Hut, passe auf was ich erzähle und was bei ihr wie ankommen könnte. Sie fängt an auf meinem Liebesleben rumzuhacken. Sorry, aber von IHM will ich ihr nichts erzählen. Ich kenne die Frau keine 30min, da fange ich nicht an, mein Intimleben dort auszupacken. Das Mondgesicht guckt mich schief von der Seite an und ich überlege kurzzeitig ihr die Zunge raus zu strecken, entscheide dann aber, dass das nicht sehr förderlich ankommt.
Dann ist das Gespräch vorbei. Beim Verlassen des Raumes fällt Frau A´s Blick auf ein auf dem Boden liegendes Bonbonpapier und sie ruft ganz entzückt: "Ach schauen Sie mal da hat jemand sein Bonbonpapier liegen gelassen!" was soll man darauf sagen? Ich lächel nur.
Meiner Aufnahme nächsten Montag würde so weit nichts mehr im Wege stehen. Das Ganze müsste noch mit Kollegen abgeklärt werden und dann könne ich Mittwoch nochmal anrufen und mir das Ok abholen. Ich weiß gar nicht mehr richtig, ob ich mich da drüber freuen soll.
Mir wird die Stationsleiterin vorgestellt- eine sehr nette, offene Frau, die mir die Station zeigen will. Viel zu zeigen gibt es dort nicht. Auf Grund der "Weitläufigkeit" der Station 5.4 B, bewegen wir uns 3m nach vorne und 3m nach Hinten und bleiben ansonsten auf einem Fleck stehen. Sie zeigt mir den Gemeinschaftsraum mit TV, wo drei Damen um die 50 sitzen und stricken. Fettige Haare, Jogginghose....sie starren mich an. Die Stationsleiterin steht mit mir im Türrahmen und meint: "Das ist eine Patientin in spe, die Frau N" und alle mumeln im Chor ein "Hallloooooo". Ich grüße locker in die Runde, in der Hand mein Flyer von der Station und irgendwie komm ich mir vor wie eine Touristin. Es gibt Zweibettzimmer, die Station nimmt maximal 16 Patienten auf und die Aufnahmedauer geht von zwei Wochen (Minimum) bis zwei Monate. In den ersten zwei Wochen darf - so wie ich das verstanden habe - kein Besuch empfangen werden. TV gibt es auch nicht auf den Zimmern und um 7:30 Uhr beginnt der Tag mit einem "strammen Morgenspaziergang". Auch das alles löst keine Begeisterungsstürme in mir aus, ebensowenig wie die Aussage, dass man einmal in der Woche zusammen backt, zwei Mal in der Woche Einzeltherapie stattfindet und zwei Mal die Woche Gruppentherapie. Der Rest vom Tag ist dann verplant mit individuellen Therapieformen wie Basteln, Musik, Bewegungs, Traum, Lichttherapie. Schwimmen kann man und sich mit Hilfe eines Physiotherapeuten fit halten.
Nach insgesamt einer Stunde kann ich gehen. Ich fühle mich zittrig und aufgelöst und eile schnell zum Aufzug. Drunter liegt die Geburtenstation, drüber die Intensivmedizin. Wahnsinn. Unten wird neues Leben geboren, oben wird um Leben gekämpft und in der Mitte landen die, die sich noch nicht so ganz entscheiden können.
Die Leute im Aufzug mustern mich kritisch als ich einsteige und auch noch den Flyer mit der Aufschrift "Psychiatrische Abteilung" in der Hand halte. Aber an die Blicke hat man sich ja schon gewöhnt.
So froh war ich noch nichtmal im Sommer als ich die Herzprobleme hatte, wieder aus dem Krankenhaus draußen zu sein.

Abends, als sich die  Eindrücke etwas legen und die Aufregung abfällt, kommen die großen Bedenken. Weg von Freunden....weg von meiner gewohnten Umgebung....weg von allem. Da rein???? Ich kriege Panik, wälze mich im Bett herum und bin heilfroh, am Freitag einen Termin bei meinem Therapeuten zu haben. Ich habe mich ja immer gefragt, ob mein Therapeut nicht vielleicht auch manchmal ein wenig komisch ist, oder ob er noch normal ist. Seit dem Termin im Krankenhaus weiß ich 100%: Mein Therapeut ist normal und zwar so was von normal........

Heute Morgen habe ich dann in der Praxis bei ihm angerufen, ich wollte meinen Termin für Freitagabend nochmal bestätigen, weil er bestimmt dachte ich sei schon im Krankenhaus. Die Sprechstundenhilfe nimmt ab und als ich ansetze und meine: "Können Sie dem Herrn Doktor vielleicht ausrichten das...." unterbricht sie ich mit einem: "Nein!" als ich verwirrt nachfrage erklärt sie mir, dass mein Therapeut erkrankt sei und die ganze Woche nicht in der Praxis sei. Natürlich. Es wäre doch ein Wunder gewesen, wenn mal etwas glatt gelaufen wäre oder? Ich erkläre ihr, dass es dann ein wenig dauern wird bis ich mich wieder melde, da ich ab nächster Woche im Krankenhaus sei. Sie meint nur: "Da ist der Herr Doktor auch noch nicht in der Praxis!" und irgendwie kriege ich Panik dabei. Eine einfache Grippe scheint es ja nicht zu sein und als ich ihn letzten Donnerstag gesehen habe war er noch kerngesund. Ich weiß aber auch, dass er vor kurzem bereits eine OP hatte und auch Herz-Kreislaufprobleme hat.
Ich kriege Panik, dass er was schlimmes hat, dass er vielleicht die Praxis nicht mehr aufmachen kann, dass es ihm sehr sehr schlecht geht. Mit Mitte 50 ist er ja auch nicht mehr soooooo jung. Diese Panik macht mir mehr zu schaffen wie die Angst vor der Klinik. Immerhin hatte ich bis dahin immer im Hinterkopf, dass mein Therapeut erreichbar sei im Notfall. Nun weiß ich gar nichts. Ich habe wirklich große, große Angst und mache mir große große Sorgen.
Da merke ich, WIE wichtig er mir als Bezugsperson geworden ist. Als Stütze. Der Gedanke, ihn nicht mehr an meiner Seite zu haben erscheint im Moment in der jetzigen Situation als blanker Horror. Er war immer der Starke, wo ich hingehen konnte wenn es mir schlecht ging. Ich konnte bei ihm alles abladen und alles abwerfen was mich belastet hat und er hat es in einer unheimlich coolen und ruhigen Art aufgefangen. Er war immer der Starke, den nichts umwerfen konnte. In dem 3/4 Jahr, seitdem ich dorthin gehe, war er noch nie krank. Öfters mal im Urlaub, aber nie krank....
Ich hoffe wenn er das wüsste, dann würde er es zu schätzen wissen, wo er ja öfters mal betont hat, dass er den Eindruck hat ich sitze meine Stunden just for fun dort ab.

Mir hilft das so direkt leider nicht weiter und macht die Situation auch nicht einfacher.
21.10.08 18:05


Werbung


Meine Güte, Gott sei Dank ist das WE jetzt rum. Es reicht jetzt auch schon wieder mit der freien Zeit. Ich komm nur auf dumme Gedanken. Der Trigger ist allgegenwärtig. Immer. Überall. Ich fühle mich hin und hergerissen zwischen allen Leuten.Jeder gibt mir ein bisschen Hilfe, ein bisschen seiner Kraft, aber ich habe nicht die EINE Bezugsperson, zu der ich IMMER gehen kann. Zu jedem kann ich mit ein bisschen Sorgen, mit ein bisschen Problemen kommen. Es gibt Leute die haben es mir schon angeboten, dass ich IMMER anrufen kann, dass ich IMMER vorbeikommen kann...aber das kann sich niemand vorstellen, was das bedeutet, jemandem mit Borderline so etwas anzubieten. Jeder wäre erschrocken, wenn er mich wirklich mal am Boden erleben würde. Kurz nach einem Rückfall. Verheult, frierend, blutend....am Ende einfach. Danach würde sich vermutlich jeder zwei mal überlegen ob er mir so etwas nochmal anbietet. Und das möchte ich mir und meinen Mitmenschen ganz einfach ersparen.

Mal gucken vielleicht gibt es morgen etwas neues als immer nur schlechte Nachrichten.
19.10.08 21:59


Die Tabletten....

Seit Neustem bekomme ich abends immer einen Brechreiz, nachdem ich die Anti-Depressiva geschluckt habe. Überhaupt haut mich die "Wirkung"- sofern vorhanden nicht unbedingt vom Stuhl. Die Nebenwirkungen waren heftig und ekelhaft. Aber die Wirkung? So lange in meinem Leben alles glatt läuft und es keine ungeahnten Probleme gibt (die es aber leider fast jeden Tag gibt), bin ich generell durch die Tabletten etwas ausgeglichener und entspannter. Kommt aber eine Krise, setzen die Merkmale von Borderline ungeachtet einer Tablette wieder ein.
Also meine Psyche scheint das Ganze nicht zu beeindrucken.
Dafür aber die Apotheker. Man wird schon irgendwie merkwürdig angeguckt, wenn man dort steht und zitternd und mit Schnitten auf der Hand nach Anti-Depressiva verlangt. Natürlich- der Apotheker ist Apotheker und es ist sein Job. Das weiß ich. Aber der Apotheker ist auch nur ein Mensch und wird sich sicherlich im Stillen schon so seine Gedanken zu einer nervösen 22 jährigen machen, die solche Tabletten braucht.
Ich denke also auf kurz oder lang werde ich wieder versuchen ohne die Pillchen auszukommen. Auch wenn die Menschen das in den kommenden Kliniken sicher anders sehen werden.
18.10.08 22:25


Die Woche war ziemlich verkorkst. Dienstag hatte ich eine so was von bescheidene Therapiestunde, es war nicht mehr schön....ich hatte mich so gefreut, meinen Therapeuten wiederzusehen. Aber ich hätte es wissen müssen, jedes Mal wenn ich mich freue, geht es in die Hose. So auch diesmal. Ich hatte ein schlechtes Gefühl, hab mich unwohl und verkrampft gefühlt und hab mal eben ganz locker flockig die ganze Stunde boykottiert. Für jemanden mit Borderline ist nichts einfacher als das. Fotos von den neuen Verletzungen machen? Nein. Einweisung ins örtliche Krankenhaus? Nein. Über mein Liebesleben sprechen? Ganz großes NEIN. Therapie weitermachen? NEIN. Nur ein einziges JA an dem Abend: "Haben Sie schon aufgegeben?" ja! Ich hatte aufgegeben. Dienstag war ein Häufchen Elend dort in der Praxis. Auf Angriff getrimmt, damit mir niemand zu nahe kommt, mich niemand verletzt. Das hatte ich schon selber erledigt. Der linke Arm glich einem Schlachtfeld, die letzten Schnitte grade 45min alt. Ich wollte weinen, ich wollte schreien...ich konnte nicht. Stattdessen verbot ich meinem Therapeuten jegliche Handlung bezüglich einer schnelleren Einweisung. Natürlich größtenteils zur Selbstbestrafung. Was habe ich einen inneren Kampf geführt....und verloren. VÖLLIG am Ende hab ich die Praxis verlassen. Zurückgelassen habe ich einen ratlosen Therapeuten. Ich hab mich gehasst dafür. Ich hab geheult auf der ganzen Fahrt nach Hause. Zu Hause dann der Griff zur Rasierklinge, kurz danach war das Werk vollbracht. Der ganze rechte Arm auch noch aufgeschlitzt. Das einzige was ich dann noch spürte war die angenehme Kälte, die meinen Arm füllte, der leichte ziehende Schmerz...es war so angenehm. Jetzt konnte ich mir verzeihen.
Ich habe ihm einen Brief geschrieben. Bin um 22 uhr nochmal zur Praxis gefahren, habe den Brief eingeworfen. Eine für mich typische Handlung unter Einfluss eines Rückfalls. Im "normalen" Zustand würde ich so was nie machen.
Dementsprechend peinlich war mir das Ganze am Mittwochmorgen. Ich hatte erklärt warum ich schneide, was ich dabei fühle und warum ich nicht vertrauen kann in der Therapie. Alles was ich ihm so nicht sagen konnte.

Donnerstag ein Gespräch mit der SAP auf Arbeit. Es tat gut. Es tat so gut. Sie verstand den Ernst der Lage, redete 2 Stunden mit mir und rief danach meinen Therapeuten an. Eine Last fiel von mir runter. Er war nicht sauer. Er fand meinen Brief gut. Ich könnte ins örtliche Krankenhaus, ich sollte mir das überlegen und selber nochmal anrufen wenn ich mich entschieden hätte. Nachmittags um 15 Uhr hatte ich mich entschieden. Der Termin war noch am gleichen Abend.
Und so saß ich schon wieder im Wartezimmer. Guckte mir die Bilder aus Tibet an, roch den beruhigenden Geruch in der Praxis. Als ich reinkam lag eine Einweisung dort. Ein roter Schein. F 60.3 (Boderline), sowie Suizidgedanken. Er erklärte mir alles in Ruhe, brachte mich zum Lachen. Heute war ich locker. Ich hatte am Dienstag allen gezeigt, dass nichts mehr läuft wenn ICH es nicht will. Ich hatte meine Macht als schwierige Patientin demonstriert. Eindrucksvoll. Nun war ich wieder lammfromm. Ich nahm die Einweisung und setzte mich am selben Abend noch mit dem Krankenhaus in Verbindung. Sehr nette Leute dort. Montag soll ich nun nochmal anrufen, dann bekomme ich einen Termin für ein Aufnahmegespräch.
Ich freue mich ein wenig. Sicher bin ich kritisch und unsicher, aber größtenteils freue ich mich. Ich werde diesen Weg irgendwie gehen. Mal sehen wie. Vielleicht auch auf Umwegen. Vielleicht auch direkt. Vielleicht umständlicher wie andere Leute, vielleicht einfacher. Man wird es sehen.

"Borderliner gelten als schwierige Therapiepatienten. 70% brechen eine Therapie ab, fast alle versuchen ihr Ärzteteam gegeneinander auszuspielen. Die Therapie von Borderlinepatienten gilt deswegen als besonders schwierig und fast unmöglich!"
17.10.08 22:21


Rückblick...

...der Sommer geht, der Herbst kommt, bzw. ist schon voll da. Lange wollte ich es nicht wahr haben, aber leider lassen sich sinkende Temperaturen, gelb/braune Blätter und das schlechte Wetter nicht mehr übersehen.
Und mit dem Herbst kommen meine Depressionen. Selbst die Umstellung auf eine neue Jahreszeit fällt mir schwer. Bereitet mir große Probleme. Dieser Sommer war ein ganz besonderer Sommer. Ich glaube ich habe sehr viel gelernt. Innerhalb weniger Monate bin ich ein ganzes Stück gereift.
Ich hab mich wochenlang mit Erschöpfungszuständen, Kreislaufproblemen und "Herzsprüngen" rumgeschlagen, bis es irgendwann zum Zusammenbruch kam. Im Krankenhaus habe ich dann plötzlich gemerkt wie gut es tut, abzuschalten, die Sorgen von den anderen abgenommen zu bekommen, bin aber auch durch ein ziemliches Tal gegangen. Mehrere Kreislaufzusammenbrüche, immer wieder extremer Trigger durch den Venenzugang im Arm. ABER: Anstatt ausgelacht zu werden oder kritisch angeguckt zu werden, hat das Personal fachmännisch reagiert. An meiner Nadel wurde nicht unnötig rumgebastelt, von Blutabnahmen wurde abgesehen. Das erste Mal, dass ich richtig ernst genommen wurde von meinem Umfeld mit meiner Krankheit.
Tja und dann kam meine Sommerromanze. Ich weiß noch genau, wie ich am 1. Krankenhausabend im Bett gelegen habe- total am Ende, verschwitzt, übermüdet, am zittern- es war nachts um 3 Uhr und mit IHM SMS geschrieben habe und einfach nur glücklich war. Gesundheitlich war ich am Tiefpunkt, psychisch gesehen auf dem Gipfel. In dieser Nacht hab ich 2 Stunden geschlafen und war dennoch glücklich wie nie. Danach unsere Treffen. Seine Art, sein Humor...alles....
In dieser Zeit hatte ich die Stärke das Schneiden zu unterdrücken. Er sollte keine Narben an den Beinen sehen, er sollte keine Narben an den Oberschenkeln und auch nicht an den Armen sehen. Er sollte mich gesund sehen, so wie man in der Regel seine Umwelt sehen möchte.
Dann das Ende...die Diskussion, der Streit....der Schmerz....am gleichen Tag noch das Schneiden- für jeden sichtbar auf der Hand- auch für ihn. Zwei Wochen später die Aussprache. Seitdem mein Absturz.
Dieser Absturz wäre eh gekommen. Früher oder später. Irgendwann.

Es ist Mitte Oktober....wir haben seitdem keinen weiteren Kontakt mehr. Wir sprechen nicht mehr, wir lachen nicht mehr. Dennoch steht was zwischen uns. Jeden Tag sehen wir uns auf Arbeit, jedes Mal wenn wir uns angucken steht was zwischen uns. Ich ertrage den dumpfen Schmerz mittlerweile mit Gleichgültigkeit, versuche ihn zu provozieren.

Ich hab Angst vor dem Winter, vor der Kälte, der Dunkelheit, der Weihnachtszeit, den Ferien wo mein Therapeut zu hat....ich hab so viel Angst.
Ich möchte jemanden haben der mich in den Arm nimmt, für mich da ist, wo ich abschalten kann, wo ich nicht mehr kämpfen muss, wo ich schwach sein kann. Und ich stehe mir selber im Weg, weil ich jeden Mann mit IHM vergleiche.

Ich bin gespannt was die kommenden MOnate bringen.
17.10.08 22:06


Guten Tag, der Herr, die Dame,
Gestatten, Borderline, so ist mein Name.

Sie kennen mich nicht? Das ist nicht schlimm.
Ich werd' Ihnen erzählen, wer ich bin.
Eine Krankheit, doch man sieht sie nicht,
aber trotzdem immer öfter man über sie spricht.

Wir Bordis sind wirklich ganz Liebe,
auch wenn wir oft verteilen Hiebe,
und die nicht immer auf den Feind,
sondern sehr oft gegen den Freund.

Dieser es gar nicht begreifen kann,
wenn er doch lieb ist, was bleibt ihm dann?
Kommt er uns nah, ganz in Vertrauen,
stoss'n wir ihn weg, er soll abhau'n.

Geht er fort, sind wir zerrissen,
weil wir im Herzen ihn so vermissen.
Der Tod uns oft als Ausweg erscheint,
doch das bin nicht Ich, die das meint.

Die Seele weint, das Herz trauert,
das heißt aber nicht, dass es lang andauert.
Im nächsten Moment empfinden wir Glück,
und das an Borderline ist die Tück'

In einem fort hin und her gerissen,
kämpfen wir Bordis stets verbissen
um ein Quentchen Glück und ein bisschen Frieden,
sind wir doch Menschen, die auch wollen lieben.

Der größte Hass, uns selber gilt,
wir können nicht umgehen mit uns mild.
Stets wir uns messen an Extremen,
dieser Weg nicht zählt zu den Bequemen.

Oft erscheint uns das Leben so schwer,
dass wir sagen: ich will nicht mehr!
Die Zweifel, die so stark an uns nagen,
sind beileibe fast nicht zu ertragen.

Die innere Qual und ohnmächt'ge Wut,
nehmen uns gänzlich jeglichen Mut.
Aggression, das erlebt manch einer,
mit Absicht wehtun, das will von uns keiner.
Doch die Verzweiflung, die sich macht breit,
bringt uns immer wieder so weit.

So können wir uns oft nicht spüren,
und das kann leider dazu führen,
dass wir uns verletzen und uns schneiden,
um so die Leere aus dem Geist zu vertreiben.

Der Schnitt, der macht keine Schmerzen,
aber doch gibt´s dann im Herzen,
ein wenig Luft, und das alleine
bringt uns ein bisschen auf die Beine.

Schwarz und Weiß, so ist uns're Welt.
Grau, sich nicht dazugesellt.
Für andere ist das schwer zu verstehen,
das ist uns klar, doch muss man auch sehen,

dass wir wahrhaftig die Täter nicht sind,
sondern Opfer, und dies meist schon als Kind.
Als Kind bereits übel missbraucht,
ist unser Glück als Erwachsene verraucht.

So sensibel wir auch sind, so eins ist klar,
wir sind immer für die and'ren da,
gerade weil wir wissen, was es heißt,
wenn die Seele leidet, uns zerreißt,

können wir mitfühlen und in Nöten
die verzweifelten Gedanken des and'ren töten.
Arrogant und borstig, so heißt es immer,
doch das stimmt nicht, nie und nimmer.

Um vor inn'rer Qual uns zu retten,
müssen wir uns hinter ‘ner Fassade verstecken.
Wir tragen ‘ne Maske, die uns schützt,
doch ist die Frage, ob sie was nützt?

Schau'n wir uns an, ins ehrliche Ich,
kommt von allein ganz unweigerlich,
Der innere Schrei, nein, so will ich nicht sein,
und wieder wir wechseln zum trughaften Schein.

Dann reden die and'ren mit uns wie mit jedem,
das aber geht leider oft stark daneben.
Denn allzuoft führt ein Wort mitunter
dazu, dass für uns die Welt geht unter.

Das versteh'n dann die and'ren nicht
und bringt sie aus dem Gleichgewicht.
Doch, was soll'n wir machen, um zu leben
und dennoch nicht zuviel von uns preiszugeben?

Es ist ein wahrhafter Drahtseilakt,
den wir vollführen, und bitte gebt acht,
vielleicht gibt's ‘nen Freund, der euch nahesteht,
dem es ganz genauso geht.

So denkt dann an die Zeilen von heut'
und so könnt ihr dann vielleicht
so manchem Freund helfen soweit,
dass er sich traut und von der Maske befreit.

(c) Gabriella Marten Cortes
(01/2000)
13.10.08 19:29


Hab dieses WE jeden abend geschnitten. Brauche das im Moment um runter zu kommen. Bin ständig nervös, am zittern, kann mich nicht konzentrieren. Die inneren Geister quälen mich derbe. Mein Arm sieht prima aus. Ich finde es noch viel zu gnädig.
Ich liebe ihn....
12.10.08 22:35


Jahaaaaa ich hab geschnitten gestern Abend. Es musste einfach sein. Es war alles so aussichtslos. Zoff mit meinen Eltern. Neuen Antrag bei der Rentenkasse? Auf jeden Fall nicht innerhalb der nächsten Wochen in die Klinik. Der linke Arm hat hergehalten. Es tat weh und es tat sooo gut. Als das Blut lief hab ich mich befreit gefühlt. Dumm nur, dass der Schneidedruck auch heute noch nicht richtig weg ist.

ER hat sich meine Seite bei wkw angeguckt. Mein Gott was will er da? Er kennt mich doch....ich hab keinen Nerv mehr auf irgendwas, will nur noch da liegen und pennen.
11.10.08 15:36


Aus der Traum....

...von der Klinik. Zumindest erstmal. Ich habe heute dort angerufen. Man teilte mir mit, dass man meine Daten zwar schon im PC habe, aber dieses Jahr nichts mehr frei sei. Ich fiel aus allen Wolken. Man sei völlig überlastet dort und 90% der Patienten würden mit einem Eilantrag ankommen. Deswegen würde mein Antrag in der Masse untergehen sozusagen. Ich war danach fertig. Ich hörte nichts mehr, fühlte nichts mehr....wollte nur noch weg. Ich hab meinen Psychologen angerufen. Der konnte das auch nicht nachvollziehen und schaffte es glücklicherweise mich durch seine ruhige Art ein wenig runter zu holen. Er fragte ob ich geritzt hätte seitdem wir uns vor einem Monat das letzte Mal gesehen hätten. Ich bejate. Er fragte ob ich es bis Dienstag aushalten würde, bis zu meiner nächsten Sitzung, wir würden dann nochmal da drüber reden. Was bleibt mir anderes übrig?

Zu Hause gab es dann null verständnis dafür, dass ich so dringend wie möglich in eine Klinik möchte. Es wurde so getan als würde ich mich grade ein wenig anstellen. Und fast glaube ich das schon wieder selber, weil ich meine Lage nicht einschätzen kann. Dann kamen wieder die Gedanken, dass ich schneiden muss, um mir zu beweisen wie dringend es ist.
Und das ich keine Lust mehr auf Klinik habe. Ich habe einfach keinen Nerv mehr mich von anderen Leuten abhängig zu machen, zu betteln, anzurufen und darauf zu warten das sich jemand so gnädig zeigt und mich aufnimmt.

Außerdem tut heute wieder alles sehr weh. Alles wegen IHM. Jeden Tag seh ich ihn, jeden Tag wirft es mich irgendwie aus der Bahn. Das kann doch nicht so weitergehen? Ich werde gleich schlafen gehen, damit ich die schrecklichen Gedanken nicht mehr habe und dieser innere Krieg mit mir selbst aufhört,
10.10.08 21:15


Da stehst du nun und guckst mich an. Guckst wie ich reingehe, wie ich mit meiner Kollegin lache, wie ich mich hinsetze. Dann begibst du dich wieder an deine Arbeit, schielst in den 45min immer mal wieder an unseren Tisch in unsere große Frühstücksrunde. Deine Ex sitzt auch dort und beobachtet mich. Ich weiß nicht was sie weiß, was sie denkt, aber ich weiß, dass es mir egal ist.

Liebe

Ich will deine Hand nehmen,

Ich will durch deine Haare wuscheln,

Ich will deine Haut streicheln,

Ich will dich küssen,

Ich will dich riechen,

Ich will dich schmecken,

Ich will dein Lachen hören,

Ich will deinen Atem neben mir spüren,

Ich will in deine Augen gucken,

Ich will neben dir einschlafen

und mit dir aufwachen.

Wir sind fertig. Ich stehe auf, gehe als erste raus. Du unterhälst dich grade, guckst uns nach. Ich drehe mich um und grinse dich an. Du starrst mich an, verlierst den Faden im Gespräch. Ich gehe erhobenen Hauptes raus.

Hass

Ich hasse dich dafür,

dass du dich immer noch nicht normal verhälst,

dass du mich immer noch so durcheinander bringst,

dass du mir vorgespielt hast alles wäre toll,

dass du mir mehrmals gesagt hast du seist solo und mir nachher erzählen wolltest du seist es nicht,

dass ich allein durch deine Blicke weiche Knie bekomme.  

9.10.08 19:35


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]


 
Copyright 2007 Free Template by www.temblo.com ~ Design by Angelme
Gratis bloggen bei
myblog.de